isola del giglio

Geomineralogische Lehrpfade

Für unsere Gäste nur das Beste

 

 

Italiens erste geomineralogische Pfade

 

Die geomineralogischen Pfade, die Sie hier vorfinden, sind einzigartig in ganz Italien. Sie bieten die Möglichkeit, die Insel auf ganz neue Weise zu erkunden und Dinge wahrzunehmen, die für Gewöhnlich nicht beachtet werden, obwohl sie im Grunde jedem vertraut sind – gemeint ist die Morphologie des Territoriums.

Sehr viel Information kann allein durch das Beobachten der Landschaft gewonnen werden: wer beispielsweise etwas im Gestein lesen kann, wird in jeder noch so kleinen Kluft, in jedem Erdriss und in der Form der Steine eine Menge Interessantes erkennen können. Es eröffnet sich ihm ein Tor in eine ganze Welt, die zurück in die Vergangenheit führt, die nicht einmal so lange zurückliegt. Wenn man Fähigkeiten entwickelt, um wie ein alter Weise die Steine zu umarmen und zu befragen, betritt man definitiv eine magische Dimension, die einen – ob man will oder nicht – im Bann hält.

Einige der sehr platt getretenen Pfade, die in der Vergangenheit von Bauern, Berggräbern und Bergwerksarbeitern benutzt und geschaffen wurden, wurden eigens für geomineralogische Erkundungstouren ausgestattet. Es ist daher keine besondere Ausrüstung vonnöten. Hilfreich können Lupe, Fernglas, Hut und … vor allem Neugierde sein. Auch ausreichend Zeit schadet nicht.

Es muss nicht zwingend gleich ein ganzer Pfad abgegangen werden, oft genügt es, nur einen Teil zu erkunden, um in die geheimnisvolle Welt des Gesteins einzutauchen.

Der Beginn der Wanderpfade ist immer in Giglio Castello, dem Ort der Stiegen, der als befestigte Stadt den Anschein erweckt, direkt aus dem Granitfelsen zu erwachsen.

 

1) Der Pfad der Berggräber

Von Piazza Gloriosa geht es abwärts, um zum Pfad Nr. 1 zu gelangen. Hier wird eine kurze Pause eingelegt, um die Beschaffenheit des Granits zu studieren, dem Tiefengestein (Plutonit), das aus den Tiefen des Meeres stammt und sich unter kilometerdicken Sedimentschichten im Laufe von Millionen von Jahren bildet. Um sich einen Begriff von der unglaublichen Kraft des Gesteins zu machen, genügt es, sich die Burg mit dem glühenden Felsen anzusehen. Weiter geht es auf der Straße, die Richtung Giglio Porto führt. Bei Monticello wird ein Halt eingelegt, um den Hafen zu begutachten und um mehr über den einstigen Handel von Granitsäulen zu erfahren, die noch heute Kirchen oder Villen von Adeligen schmücken.

In Giglio Porto angelangt, werden die Überreste des Steinbruchs von Foriano bewundert, welcher von den Römern vor zweitausend Jahren eröffnet wurde und mindestens bis zur Mitte des 19. Jh. in Betrieb war. Von hier aus geht es weiter hinunter nach Giglio Porto, um den Steg zu sehen, der vom Großherzog Leopoldo II wiedererrichtet wurde, um den Handel mit Granitsäulen zu erleichtern. Von hier aus sieht man auch den kleinen Steinbruch „Scalettino del Porto“. Weiter geht der Weg bis zum Erreichen der Kreuzung von Bonsere. Hier beginnt ein sehr angenehmes Stück Weg, auf dem die Struktur des in der Tiefe befindlichen Granits genau unter die Lupe genommen wird, bis schließlich die Steinbrücke Bonsere und Cannelle erreicht werden. Der Weg wird auf einem Boot Richtung Süden fortgesetzt, bis die Bucht „Cala degli Alberi“ erreicht wird, wo Reste von alten Steinbrüchen und Aufschüttungen aus einer Zeit, in welcher diese noch in Betrieb waren, zu sehen sind.

In Giglio Porto angelangt, geht es hinauf nach Monticello. Von hier aus hinunter zur Arenella-Bucht, um zum Steinbruch „Cava del Piccione“ zu gelangen, welcher einer der letzten war, der in Betrieb war. An dieser Stelle bietet sich auch die Gelegenheit, an all die prachtvollen Mineralien zu denken, die hier gewonnen wurden.

 

2) Der Pfad der Bergwerksarbeiter

Von Piazza Gloriosa geht es abwärts, um zum Pfad Nr. 3 zu gelangen. Nach der Hälfte dieses Weges wird beim großen Amphitheater Halt gemacht, das einst aus jenem Sedimentgestein bestand, das auch die ganze Insel bedeckte. Von hier aus kann außerdem der Ausblick auf das Franco Kap genossen werden. Die Form der Spitze der Klippen scheint aus diesem Blickwinkel interessant, wenn man bedenkt, dass sie früher die Spitze des Kaps war. Man hat das Gefühl, dass sie durch unglaubliche Krafteinwirkung in das Meer gestoßen wurde.

Dem Weg folgend erblickt man auf der rechten Seite nur wenig über Campese den Hügel „Colle del Castellare“, von dem aus die ersten Bergarbeiter der Geschichte, die Villanovianer, achthundert v. Chr., erfolgreichen Handel mit Blutsteinpigmenten betrieben.

Danach geht es weiter nach Campese, wo der „brucione“, eine unglaubliche Ansammlung von Blutstein in Form des Brunnens von Santa Barbara, bewundert werden kann. Bemerkenswert sind auch die antiken Öfen zur Bearbeitung von Pyritgestein. Weiter geht es in Richtung Meer, vorbei an einem kleinen Steinbruch mit vielen Stalaktiten.
Der Weg geht weiter Richtung Valle Ortana, dem Grenzgebiet zwischen Granit- und Kalksteinvorkommen, wo sich Pyrit abgelagert hat. Dieses Vorkommen war das erste des damals erst kurze Zeit vereinigten Italien und stellte den Bergbau, welcher Italien in den darauffolgenden Jahren zu Ruhm und Reichtum verhalf, gewissermaßen auf den Prüfstand. Geht man den Pfad weiter, ist es ganz deutlich zu erkennen, dass sich auch die Flora mit verschiedenen Metallvorkommen im Boden ändert. Schon bald erreicht man die Allume-Bucht, die an der rechten Seite eine Kalkgesteinbank mit vielen Einbuchtungen aufweist, ähnlich dem Gestein des Leuchtturms. Es handelt sich hierbei um den Überrest der antiken Lagune, die vor dem großen Granitvorkommen an dieser Stelle war. Auf der linken Seite erwachsen die Felsen der schwarzen Klippe („Scoglio Nero“), der “Isola della Cappa” und von Vena. Zu dieser Zeit, Mitte des 17. Jh., hegte der Großherzog den Wunsch, den hohen Zoll auf Eisen aus Elba abzuschaffen. Es erfolgt an dieser Stelle der Abstieg zur Bucht von Allume: links eine Quelle mit Eisen- und Rostspuren, welche auf das Vorkommen im Gestein schließen lässt. Dahinter befindet sich einer der Probestollen der Gegend; Rechts befindet sich ein weiterer Probestollen sowie ein kleiner Strand, an dem die Mineralien auf Wägen geladen wurden.

Der Weg führt wieder nach Campese und geht auf einem Boot weiter vorbei an den Masten der alten Seilschwebebahn, wovon sich zwei davon im Meer befinden und der dritte praktisch der letzte Überrest eines Systems zur Beladung von Schiffen ist, das für diese Epoche revolutionär war.

 

3) Der Pfad der Sucher

Wer kann als Sucher bezeichnet werden? Einer, der neugierig und leidenschaftlich bei der Sache ist, der suchen – und finden - will. Von Giglio Castello aus geht es auf einer angenehm zu begehenden und fahrbaren Straße bis zur Kreuzung. Geradeaus geht es weiter in Richtung des antiken Leuchtturms bis Scopeto. Dies ist wohl eines der ersten Aufenthaltsorte des prähistorischen Menschen, den es auf der Jagd nach Wild hierher zog. Massive erratische Blöcke aus Granit ziehen die Blicke an dieser Stelle auf sich und laden dazu ein, eingehend über dieses Gestein nachzudenken. Weiter führt der Weg bis zum Erreichen des Pfades mit der Nummer 13, welche hier ganz und gar nicht Unglück bringen wird. Ganz im Gegenteil - der Wanderweg ist sehr schön und führt direkt zum antiken Leuchtturm „Faro del Fenaio“, wo vertikale Aplit-Adern sowie hochinteressante Granitrisse zu beobachten sind, allesamt sehr wertvolle Reste des Gesteins, das einst die ganze Insel bedeckte. Weiter führt der Weg einmal um den Leuchtturm, um dann die beeindruckenden Klippen von Sparavieri und Secche mit ihren vertikalen Mustern zu bewundern, die durch das schnelle Erkalten des glühenden Felsen entstanden sind.

Nach dem Erreichen von Castello geht es weiter auf der Panoramastraße, aber erst nachdem der sehr alte Steinbruch „cava delle marcasite“ besucht wurde, der von Pecci Mitte des 18. Jh. beschrieben wurde. Auf der linken Seite sieht man gelblichen Granit an der Oberfläche, der sehr spröde und aus diesem Grund leicht zu verarbeiten ist. Er ist durchdrungen von gelben Pegmatit- und weißen Aplit-Adern. Hier wird kurz innegehalten, um über die Ablagerungen von anderen Gesteinsformen zu sprechen.

Auf der rechten Seite befinden sich die Überreste des “Dolce” und dies ist nur ein Vorgeschmack auf die zauberhaften und wilden Farben der Tore und der „Cote Ciombella“, welche atemberaubende Gesteinsmassen sind, die sich vor sehr langer Zeit vom damals noch warmen Fels gelöst haben. Weiter geht es in Richtung Castelluccio, vorbei an einer Reihe von Anhöhen, welche einen fast durchgehenden Granit-Grat bilden. Von hier aus bietet sich der Blick auf Capel Rosso; auch Giannutri ist in der Ferne zu sehen; Weiter geht es auf dem Weg Nummer 5. Es bietet sich geradezu an, die weichen Granitformen, die vielen Farbnuancen des Pegmatits, das blendende Weiß der Aplit-Adern sowie die hellgelben Pegmatit-Adern zu bewundern. Bei Capel Rosso angelangt, bietet sich ein atemberaubender Anblick: die Erosion durch das Wasser hat den weichen Felsen in geologisch betrachtet kurzer Zeit, in Wirklichkeit in Millionen von Jahren auf unglaubliche Weise geformt. Auf diesen langgezogenen und verdichteten Formen und Flächen geht es weiter, um wieder dem Weg zu folgen. Dieser führt über die Panoramastraße, von der aus die Morphologie der Küste mit ihren Kliffen und von den Wellen geformten Felsen genau zu beobachten ist. In Castello angelangt, geht es mit einem Transportmittel nach Campese, wo zu allererst die Klippen beim Turm begutachtet werden, das sind die letzten, die zum Vorschein kamen, nachdem sie noch bis vor einigen tausend Jahren von Geröll bedeckt waren, wovon noch Überreste zu sehen sind. Zwischen den Klippen zeichnen sich ganz deutlich Wege und Kanäle ab, die vom Fluss heißen Wassers aus dem glühenden Felsen aus einer früheren Zeit zeugen. Der Weg wird auf einem Boot fortgesetzt und führt Richtung Osten, wo das Material des Leuchtturms, die Überreste der Salinen, die Säule von Mezzofranco und die „Punta della Penna“, die Richtung Meer zeigt, begutachtet werden. Der nächste Halt erfolgt bei der natürlich durch Erosion im Granit entstandenen Höhle „Corvo“. Von hier aus geht es auf dem Wasser weiter bis zur Höhle von Capel Rosso, welche ein herausragendes Beispiel für eine Meereshöhle ist.

 

Nach dieser Erkundungstour bleibt uns nach der Rückkehr an Land mit Sicherheit das Gefühl, einen ersten Einblick in einen Mikrokosmos erlangt zu haben, der noch weitere Faszinationen in sich birgt.

Prof. Alessandro Fei
Direktor des Museums

 

 

 

WICHTIG!
In Kürze wird für wahre Liebhaber der Lehrpfade ein detailreiches Handbuch über die ersten geomineralogischen Pfade Italiens auf der Insel Giglio erscheinen und in den Büros des Tourismusverbandes “Pro Loco – Isola del Giglio” käuflich zu erwerben sein.
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